Vom 7. bis 9. Juli findet in Mühlingen der alljährliche Kreisfeuerwehrtag statt. In diesem Rahmen werden drei Gruppen von der Feuerwehr Konstanz ein Leistungsabzeichen ablegen. Doch was ist ein Leistungsabzeichen und warum machen wir das?

    Ein sonniger Sommertag, es hat um die 30 Grad, Wetter wie im Urlaub. Während andere im Freibad oder am See sind, treffen sich Konstanzer Feuerwehrleute an der Hauptwache. Statt schwimmen oder chillen, steht für sie eine Wettkampfprobe in vollständiger Schutzausrüstung an. Schon seit Anfang des Jahres üben drei Gruppen unermüdlich wöchentlich für das Leistungsabzeichen, das sie im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages am 8.7. in Mühlingen ablegen werden.

    Warum machen wir das?

    Zum Einen fördert das häufige Auf- und Abbauen eines Löschangriffes, die Routine im Umgang mit dem Material. Auch die Aufgaben der einzelnen Trupps werden verinnerlicht: Mit was rüste ich mich aus, was nehme ich mit und wo gehe ich hin? Im Einsatzfall muss es schnell gehen. Da bleibt keine Zeit, sich diese Fragen noch lange zu überlegen. Wer den Rettungsknoten im Rahmeb der Übungen jedoch 300 Mal geknüpft hat, wird ihn auch in Stresssituationen oder im Dunkeln hinbekommen. Gerade das Leistungsabzeichen in Bronze kann daher zum Beispiel als Vertiefung der Grundausbildung (Truppmann Teil 1) nützlich sein. Silber und Gold sind dagegen gerade für Atemschutzgeräteträger eine gute Übung für das schnelle, aber korrekte Ausrüsten mit den Geräten.

    Zum anderen macht es aber auch einfach Spaß, in der Gruppe mit den Kameraden auf ein Ziel hinzuarbeiten. Bei der Feuerwehr üben wir immer für den Ernstfall, doch die Vorbereitung auf ein Leistungsabzeichen ist im Vergleich zu den Zugdiensten sehr locker gehalten. Man übt im kleinen Kreis einer Gruppe, kennt den Einsatz-Ablauf auswendig und steht nicht unter Zeitdruck. Scherze, lange Plauder-Pausen, anschließendes Grillen und Beisammensitzen oder eine Wasserschlacht lassen die Proben heiter und fröhlich werden, was zur Kameradschaftsbildung beiträgt. Dieser Aspekt ist im Einsatz von großer Wichtigkeit, da wir bei der Feuerwehr immer im Team arbeiten und niemals allein.

    Was ist ein Feuerwehr-Leistungsabzeichen?

    Zur Förderung der feuerwehrtechnischen Ausbildung und der Vorbereitung auf die Anforderungen bei Einsätzen der Feuerwehren wird vom Land Baden-Württemberg das sogenannte Feuerwehr-Leistungsabzeichen verliehen. Es gibt dieses Abzeichen in Bronze, Silber und Gold, wobei es sich gleichzeitig auch um verschiedene Schwierigkeitsgrade handelt. Mit dem Abzeichen in Bronze wird gestartet und das anspruchsvollste Abzeichen in Gold kommt am Ende. Die Bewerbung einer Gruppe um das Feuerwehr-Leistungsabzeichen einer höheren Stufe setzt den Besitz der jeweils niedrigeren Stufe bei jedem Gruppenmitglied voraus. Erworben werden die Abzeichen durch das Absolvieren bestimmter Leistungsübungen. Diese werden als Einsatzübungen durchgeführt und sind in ihrem Ablauf genau vorgegeben.

    Bronze: Löscheinsatz einschließlich der Rettung einer Person über tragbare Leiter.

    Bestanden, wenn:

    • nicht mehr als 30 Fehlerpunkte

    • 1. Rohr hat in höchstens 180 Sekunden Wasser (gelbe Klappe ist gefallen)

    • Übung nach maximal 420 Sekunden beendet

    Silber: Löscheinsatz mit Wasserentnahme aus offenem Gewässer sowie technischer Hilfeleistungseinsatz einschließlich Rettung einer Person und Erste Hilfe.

    Bestanden, wenn sowohl Lösch-, als auch technischer Hilfeeinsatz bestanden.

    Löscheinsatz bestanden, wenn

    • nicht mehr als 30 Fehlerpunkte

    • 1. Rohr hat in höchstens 280 Sekunden Wasser (rote Klappe umgefallen)

    • Übung nach maximal 480 Sekunden beendet

    Technischer Hilfeleistungseinsatz bestanden, wenn

    • nicht mehr als 50 Fehlerpunkte

    • Übung nach maximal 480 Sekunden beendet

    Gold: Löscheinsatz einschließlich der Rettung einer Person über tragbare Leiter sowie technischer Hilfeleistungseinsatz einschließlich der Rettung einer Person und Erste Hilfe. Die Gruppe muss neben dem Lösch- und technischen Hilfeleistungseinsatz durch eine schriftliche Prüfung das notwendige Fachwissen nachweisen.

    Bestanden, wenn sowohl Lösch-, als auch technischer Hilfeeinsatz und schriftliche Prüfung bestanden.

    Löscheinsatz bestanden, wenn

    • nicht mehr als 20 Fehlerpunkte

    • Ausrüstung Atemschutz in maximal 120 Sekunden

    • 1. Rohr hat in höchstens 200 Sekunden Wasser (blaue Klappe umgefallen)

    • Übung nach maximal 480 Sekunden beendet

    Technischer Hilfeleistungseinsatz bestanden, wenn

    • nicht mehr als 30 Fehlerpunkte

    • Übung nach maximal 480 Sekunden beendet

    Schriftliche Prüfung bestanden, wenn

    • Gruppenführer und Maschinist jeweils mindestens 75% der möglichen Punktzahl und

    • die übrigen Gruppenmitglieder zusammen mindestens 75% der möglichen Punktzahl erreichen.

    ssc

    Schlauchtrupp und Melder warten am Verteiler auf den nächsten Befehl vom Gruppenführer, der ihnen in der blauen Weste gegenüber steht. Die kleine Paulina möchte später auch Gruppenführerin werden. Ganz wie Papa Florian, ihr großes Vorbild.

    Fotos: Sven Guggenberger,  Svenja Schönthaler

    Quelle: https://www.lfs-bw.de/Fachthemen/RechtOrganisation/Documents/Leistungsabzeichen

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