Quintus übergibt Amt an Bernd Roth

    "Dank Ihnen können die Konstanzer Bürger sich sicher fühlen", dankte Oberbürgermeister Uli Burchardt den Mitgliedern der Feuerwehr Konstanz auf deren Jahreshauptversammlung am 2. Februar 2017. Begleitet wurde er von einem Vertreter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Konstanz, Thomas Traber. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde dem Bernd Roth als neuer Kommandant der Feuerwehr Konstanz endgültig das Zepter übergeben. Es wird also ernst für Bernd Roth. Symbolisch überreichte ihm Oberbürgermeister Uli Burchardt den Schlüssel des Kommandantenfahrzeuges. Hierbei spielte er auch noch einmal auf den Vorfall an, für den Quintus trotz seiner beachtlichen Leistungen für die Feuerwehr Konstanz allen wohl am ehesten in Erinnerung bleiben wird: Den Tag, an dem er sein Auto im Wasser parkte. Doch falls Bernd Roth die Tradition weiterleben möchte und auch eine Wasserlandung plant, wären die Konstanzer vorbereitet: "Wir haben ja jetzt ein neues Wasserrettungsfahrzeug", bemerkte ein Kamerad verschmitzt. Aus dem Löschzug 7, dem Quintus seinem Wohnort entsprechend angehört, waren hingegen sofort mehrere Angebote für eine Mitfahrgelegenheit zu vernehmen, da Quintus nun ja ohne Auto dastand. Hilfsbereitschaft wird bei der Feuerwehr Konstanz eben großgeschrieben.

    Das hat auch der neue Kommandant schon bemerkt. Er lobte vor allem die Sondereinheiten, in denen Mitglieder diverser Löschzüge zusammenkommen. So herrsche ein reger Austausch zwischen den Kameraden der verschiedenen Züge, was eine Zusammenarbeit im Ernstfall deutlich erleichtere. "Kein Konkurrenzkampf, sondern Zusammenarbeit", solle auch das Miteinander mit anderen Hilfsorganisationen prägen. Des Weiteren lobte Roth die Jugendarbeit der Konstanzer Feuerwehr, die er künftig gezielt fördern möchte. Wenn die Jugendlichen Freude an der Tätigkeit im Feuerwehrwesen hätten, so würden sie das ihren Freunden und Bekannten weitergeben, die sich dann vielleicht von der Begeisterung anstecken ließen.

    Die Jugendfeuerwehr hatte im Jahr 2016 erfreulich viel Zuwachs bekommen, worüber sich Quintus, Burchardt und Roth gleichermaßen erfreut zeigten. Davon abgesehen war das vergangene Jahr relativ ruhig und wurde von Oberbürgermeister Uli Buchardt zu Recht als "wohlverdiente Verschnaufpause" bezeichnet. Es gab keine großen Brände, an den Mitgliedzahlen hat sich kaum etwas geändert und auch die Anzahl der Einsätze war der des Vorjahres ähnlich. Ein besonderes Jahr war 2016 lediglich für diejenigen, deren Ehrungen und Beförderungen noch ausstanden. So wurden Andreas Köberlin für 15 Jahre aktiven Dienst, Ralf Schilling für 25 Jahre Feuerwehrdienst und Ralf Sulger für 40 Jahre geehrt. Dieter Quintus erhielt von Uli Burchardt eine Ehrung für 40 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Im März wechselt dieser in die Altersabteilung und am 30. September geht er in Rente. In den acht Monaten, die dazwischenliegen, wird er verschiedene Projekte im Feuerwehramt der Stadt Konstanz bearbeiten, was einem Schreibtischjob gleichkommt. Wird ihm da nicht langweilig? "Ich werde erst mal die Ruhe genießen", sagt er. Mit der Übergabe an Roth falle eine große Last von ihm ab. Er habe aber schon verschiedene Angebote für neue Aufgaben, denen er sich gerne widmen würde. "Da nehme ich mir aber noch die Zeit, mir das auszusuchen, was mir am besten gefällt", schmunzelt er. Langeweile braucht er also nicht zu befürchten.

    "Habe fertig", lauteten die Worte, mit denen sich Quintus aus dem Amt des Kommandanten verabschiedete. Von nun an hat Bernd Roth das Sagen. Er ist jetzt technischer Einsatzleiter für die Einsätze im Stadtgebiet und Ansprechpartner für die 288 Freiwilligen und 20 hauptamtlichen Feuerwehrleute der Feuerwehr Konstanz. Nach fast 30 Jahren mit demselben Kommandanten sind die Angehörigen der Konstanzer Wehr gespannt, was „der Neue“ wohl für Veränderungen mit sich bringt. Davon zeugt auch die Tatsache, dass zu dieser Hauptversammlung deutlich mehr Kameraden erschienen waren, als in den letzten Jahren. Bernd Roth hat seine gesamte Feuerwehr-Laufbahn bei der Freiwilligen Feuerwehr Rüsselsheim, also einer fremden Wehr, absolviert. Hier in Konstanz kennt ihn kaum jemand. Für die Konstanzer Kameraden eine befremdliche Situation. Schließlich sind die meisten von ihnen mit Klaus-Dieter Quintus praktisch groß geworden. Viele haben seit ihrem Eintritt in die Feuerwehr noch keinen anderen Kommandanten erlebt.

    Bernd Roth zeigte großen Respekt vor der Arbeit, die Quintus geleistet hat: "Er hinterlässt eine gut aufgestellte Feuerwehr", sagte er. Es seien große Fußstapfen, die zu füllen er sich nicht anmaßen möchte. "Ich bin ein anderer Mensch und ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Diesen möchte ich aber nicht alleine gehen, sondern gemeinsam mit meinen Kameraden." Er wolle ganz nah in der Mannschaft dabei sein und mitbekommen, was seine Kameraden bewegt. "Ich möchte, dass wir in der Gemeinschaft zu dem heranwachsen, was wir in der Feuerwehr sein wollen", sagte Roth. Man müsse sich kennenlernen und gemeinsam voneinander lernen. Daher ermutigte er auch alle Feuerwehrangehörige, sich mit ihren Anliegen gerne an ihn zu wenden. "Meine Tür steht immer offen", sagte er. So sei schließlich auch er hier in Konstanz aufgenommen worden. Er betonte vor allem die Unterstützung, die er von seinem Stellvertreter Hannes Oexl erhalten hatte und er freue sich schon auf die künftige Zusammenarbeit. Und Arbeit gibt es genug: Die Personalerfassung, der Umbau der Hauptwache, die Einführung der digitalen Alarmierung.

    "Und was meint Hannes Oexl?", leuchtete der Beamer an die große Leinwand. Der stellvertretende Kommandant der Konstanzer Wehr und stellvertretende Kreisbrandmeister gab einen Überblick darüber, was sich 2017 auf Kreisebene so tun wird. Vorrangig zu nennen sei hier die Wahl eines neuen Kreisbrandmeisters; die Stellenausschreibung solle noch diesen Monat erfolgen, sagte stellvertretender Kreisbrandmeister Hannes Oexl. In Sachen Atemschutz-Übungsstrecke sei eine Entscheidung gefallen: Sie werde in Rielasingen gebaut und sich an dem Vorbild Tuttlingen orientieren und Möglichkeiten für eine Brandausbildung bieten. Oexl verwies auch auf die Ende des Jahres anstehenden Wahlen, für die er vor allem auch jüngere Kameraden dazu ermutigte, sich aufstellen zu lassen. "Gerade die Position des Stellvertreters ist eine gute Möglichkeit, in die Aufgaben hineinzuwachsen", sagte er. Zudem verwies er auf die vielfältigen Möglichkeiten, wie man sich bei der Konstanzer Feuerwehr auch über den Zugdienst hinaus engagieren kann und ermunterte die Kameraden, sich einzubringen.

    Den meisten Kameraden wird aufgefallen sein, dass der neue Kommandant seinen Vortrag ohne Schulterklappen halten musste. "Es besteht Bedarf beim Thema Bekleidung", äußerte er sich dazu. Schließlich fehle sogar an seiner Uniform noch das Eine oder Andere. "Das ist schon mal ein erster Pluspunkt", ließ sich gleich ein anerkennender Kommentar aus den Reihen vernehmen. Und diese Aussage trifft die durchschnittliche Stimmung der Wehr: Abwartend, aber durchaus positiv. Man ist sich eben fremd, kennt sich noch nicht und beide Seiten wissen nicht, was sie erwarten wird. Zumindest in einem Punkt sind sich der Kommandant und seine Wehr aber schon einig. Denn auch Bernd Roth sagt: "Ich sehe der Zusammenarbeit positiv entgegen."

    Für die Konstanzer Feuerwehr beginnt mit dem 2. Februar also eine neue Ära: Die Ära Roth. Was birgt die Zukunft? Wir werden sehen.

    Jahresüberblick und Statistik:

    Den Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr verlas Quintus mit all seiner 30-jährigen Amtsroutine. Im Jahr 2016 kam die Feuerwehr auf 1307 Einsätze wovon 205 Brandeinsätze waren und 40 Brände bereits im Entstehungsstadium gelöscht werden konnten. Dabei konnte die Feuerwehr im abgelaufenen Kalenderjahr 206 Personen aus Gefahrensituationen retten. Davon 27 bei Bränden und 179 durch technische Hilfeleistungen, so Quintus. Im Vergleich zum Jahr 2015 ging die Gesamteinsatzzahl etwas zurück (1391 Einsätze in 2015). Vor allem der leichte Anstieg von Feuerwehrangehörigen bei der Jugendfeuerwehr (72 in 2016 zu 59 in 2015) gibt Hoffnung in Bezug auf die angespannte Personalsituation der aktiven Wehr. Denn bereits seit mehreren Jahren ist die Personalentwicklung rückgängig. In 2016 gehörten 288 Frauen und Männer der aktiven Wehr an, 2006 waren es noch 330.

    Svenja  Schönthaler & Felix Graf
    Fotos: Lars Heilmann 

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