"Aus einem Anhänger (1000 Liter Fassungsvermögen) heraus wollten ein Mann und sein Sohn ihr Motorboot mit Dieselkraftstoff betanken. Während dem Tankvorgang machte sich der unzureichend gesicherte Anhänger jedoch selbstständig, überrollte den Mann und stürzte in das Hafenbecken des Yachthafens Wallhausen. Dabei riss er unglücklicherweise auch den Sohn mit ins Wasser"

    So lautete die Übungsannahme einer Gemeinschaftsübung der Ölwehrstützpunkte Überlingen und Konstanz. Bei großangelegten Übungen bemühen sich die Organisatoren um eine realistisch klingende Hintergrundgeschichte, um den Ernstfall so gut wie möglich nachzustellen. Ziel ist dabei, die Einsatzkräfte auf reale Situationen vorzubereiten.

    Vor Ort wird dann versucht, dieses Szenario realistisch nachzustellen. Beim Eintreffen an der Einsatzstelle der eben beschriebenen Übung fanden die Feuerwehrleute folgendes Bild vor: Der Mann wurde von einer Übungspuppe (Dummy) verkörpert, ihm fehlten zwei Beine. Eine weitere Übungspuppe, der Sohn, trieb hilflos zwischen den Booten im Hafenwasser. Der Anhänger, dargestellt durch den Übungsbehälter des Gefahrgutzuges, lag in gut zwei Metern Tiefe auf dem Grund des Hafenbeckens und verlor in großen Mengen Dieselkraftstoff, welcher das Hafenwasser verschmutzte.
    Das klingt zunächst sehr dramatisch. Doch Sinn einer solchen Übung ist die Vorbereitung auf Realeinsätze, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun hat und der Einsatz Schritt für Schritt zügig, aber sorgfältig abgearbeitet werden kann. Zwar gibt es hierfür keine Bedienungsanleitung, doch je mehr unterschiedliche Szenarien die Einsatzleiter gesehen und bearbeitet haben, desto schneller und flexibler können sie im Einzelfall reagieren.
    Bei dieser Übungsannahme entschied sich der Einsatzleiter Christopher Kutschker für folgenden Ablauf: Der MTW (Mannschaftstransportwagen), beladen mit einem Schlauchboot und in Dingelsdorf stationiert, übernahm die Erstversorgung des Mannes sowie eine umfassende Lageerkundung. Er erkannte schnell: Die Kräfte auf dem MTW reichten nicht aus, um das mitgeführte Schlauchboot für die Menschenrettung zu wassern, d.h. es ins Wasser zu befördern. Er forderte Verstärkung an. Die nachrückenden Kräfte der Ölwehr Konstanz kamen mit dem Abrollbehälter Umwelt und einem Anhänger - Ölsperre. Gefolgt vom Gerätewagen Transport (GWT) mit dem Mehrzweckboot (MZB), welches im Hafen von Dingelsdorf gewassert wurde. Der Gerätewagen Wasser war besetzt mit zwei Schwimmrettern, die unverzüglich das mitgeführte Schlauchboot wasserten, um der hilflosen Person, die im Hafenbecken trieb, zu Hilfe zu kommen. Parallel ließ der Einsatzleiter Ölsperren ins Hafenbecken einbringen, um eine weitere Ausbreitung der Gewässerverunreinigung zu verhindern.Bei den meisten Einsätzen müssen mehrere Dinge gleichzeitig beachtet werden. Es gilt, Prioritäten zu setzen und den Überblick zu behalten. Zudem erfordern Einsätze dieser Art deutlich mehr Personal, als man zunächst annehmen würde.
    Unterstützt wurde die Feuerwehr Konstanz bei dieser Übung daher von den Kameraden der Feuerwehr Überlingen, die mit zwei Mehrzweckbooten und einer Landmannschaft, insgesamt 10 Mann, im Einsatz waren.
    Ein weiteres Übungsziel war es, den gestürzten Anhänger aus dem Wasser zu bergen. Dies wurde von dem Kran des GWTs und den zwei Schwimmrettern übernommen. Die Schwimmretter brachten Anschlagmittel am Behälter an, um diesen mit dem Kran aus dem Wasser zu heben. Nachdem der Behälter aus dem Wasser geborgen wurde, war die Übung beendet.
    Während der Übung wurden die Mannschaften der beiden Stützpunkte gemischt um ein gegenseitiges Kennenlernen zu fördern. Schließlich kann es auch bei Realeinsätzen zu einer Kooperation der beiden Stützpunkte kommen und eine Zusammenarbeit wird vereinfacht, wenn man Mannschaft und Gerätschaften der Partner kennt.

    Ölwehr Bodensee

    Im Anschluss an die Übung gab es bei einem gemeinsamen Grillen die Möglichkeit für die Kameraden der beiden Feuerwehren, sich auszutauschen. Hier entstanden interessante Gespräche, wie über die neuen Feuerlöschboote die derzeit im Land Baden-Württemberg für den Bodensee geplant werden.
    Der ganze See ist durch Ölwehrstützpunkte in mehrere Einsatzbereiche aufgeteilt. In Baden-Württemberg sind das die Feuerwehren Radolfzell, Konstanz, Überlingen und Friedrichshafen. Der Einsatzbereich der Feuerwehr Konstanz liegt zwischen Allensbach und Radolfzell und geht bis zur Marienschlucht. Ab dort beginnt der Bereich der Feuerwehr Überlingen. Gekennzeichnet wird dieses Einsatzgebiet an beiden Punkten mit einem traditionellen Grenzpfahl und einem dort angebrachten Schild. Der Grenzpfahl an der Marienschlucht wurde nun durch die Kameraden erneuert und erhielt dabei ein neues Schild.

    Florian Ströbele und Christopher Kutschker

    Fotos: Arthur Merk und Christopher Kutschker

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