Fast 50 Beförderungen und mehr als 20 Ehrungen wegen langjährigen Engagements: Der Dankesabend an die Einsatzkräfte der Konstanzer Feuerwehr war eine Leistungsschau des enormen ehrenamtlichen Einsatzes der 270 Freiwilligen unter den Brandbekämpfern.

    Und doch zeigte sich auch: Die Konstanzer Feuerwehr ist im Umbruch. Die hauptamtlichen Kräfte gewinnen an Bedeutung, die Modernisierung der Gebäude und Technik ist im Gange, die Sorge um genügend freiwillige Nachwuchskräfte, die der Feuerwehr über längere Zeit verbunden bleiben, wächst. Eine Gruppe, die untersuchen soll, warum viele junge Menschen nach einigen Jahren in der Feuerwehr wieder gehen, ist installiert, sagte Kommandant Bernd Roth beim Dankesabend. Ausbildungsleiter Andreas Knäble erläuterte auf Nachfragen, wie die ehrenamtliche Feuerwehr schleichend schrumpft. Unter dem Strich gingen im Jahr 10 bis 15 Personen mehr als nachkommen. Die Menschen, die eintreten und dann kontinuierlich über Jahrzehnte bleiben, würden seltener.

    Der Personalbedarf für die Feuerwehr in der wachsenden Stadt Konstanz ist inzwischen untersucht. Die Stadt ist dabei, darauf zu reagieren und die Zahl der hauptamtlichen Kräfte erheblich zu erhöhen. „Wir wollen und müssen die Anforderungen erfüllen“, sagte Oberbürgermeister Uli Burchardt. Der Haupt- und Finanzausschuss habe sich schon einstimmig dafür ausgesprochen, im kommenden Doppelhaushalt 2019/20 10,5 neue Stellen zu finanzieren, und für die Jahre 2021/22 weitere neun Stellen. Der Beschluss durch den Gemeinderat gelte als sicher. Neben dem Ausbau der Kindergartenplätze und der Schulen stehe die Feuerwehr auf der Prioritätenliste. OB Burchardt hofft, dass sich die neuen hauptamtlichen Stellen aus dem Kreis der eigenen Nachwuchskräfte besetzen lassen. Die neuen Hauptamtlichen sollten die Freiwilligen vor allem bei der Alltagsarbeit um Meldealarme entlasten. Zusätzlich stehen kräftige Investitionen in Ausrüstung und Gebäude an. Die Feuerwache in der Steinstraße wird gerade modernisiert und aufgestockt, die Stadt steht außerdem vor der Herausforderung, die Feuerwehrhäuser in den Ortsteilen und in Allmannsdorf erneuern zu müssen. Hier werde nach Grundstücken für Neubauten gesucht, sagte der OB. Er bekräftigte: „Ich sage immer, die Feuerwehr bekommt, was sie braucht.“ Und dann fügte er noch an: „Konstanz ist sehr stolz auf seine Feuerwehr.“

    Kreisbrandmeister Carsten Sorg betonte, das Ehrenamt habe einen bedeutenden Stellenwert in einer großen Wehr wie in Konstanz. Unter anderem mit ihrer Ausbildung und ihren Sonderzügen wie dem für Unfälle mit atomaren, chemischen und biologischen Giftstoffen (ABC-Zug) wirke sie weit in den Landkreis hinein. Der Kommandant der Konstanzer Feuerwehr, Bernd Roth, bekräftigte mit Blick auf die neuen Stellen für die Hauptamtlichen: Ehrenamtliche sollten nur mehr dann alarmiert werden, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Mehr als 20 Einsatzkräfte bekamen Ehrenmedaillen in Bronze, Silber und Gold für ihr aktives Wirken in den Einsatzabteilungen über 15, 25 und 40 Jahre. Unter den elf Geehrten, die es auf 40 Jahre Einsatz für die Feuerwehr bringen, ist Bärbel Keller die einzige Frau. Die 57-Jährige war 1977 in die ein Jahr zuvor gegründete Frauengruppe der Feuerwehr eingetreten. „Ich habe mir das einfach mal angeschaut.“ Damals, so sagt sie, habe man sich als Frau in der Wehr erst Anerkennung erkämpfen müssen. Heute seien Frauen selbstverständlich. In ihrer Einstiegszeit seien Frauen zunächst nur für den Funkdienst vorgesehen gewesen, erst im Jahr 2002 konnten sie auch in die Löschgruppen wechseln. Sie habe sich ihrer im Jahr 2003 angeschlossen. Dass sie der Wehr immer treu blieb, habe auch eine persönliche Note. Sie habe ihren Mann bei der Feuerwehr kennengelernt. Der Spielmannszug der Feuerwehr gestaltete mit Musik-Choreografien den Dankesabend. Auch hier sind Mitspieler willkommen, sagt Michael Koch. Wer sich vorstellen kann, im Zug an Trommel, Flöte oder Horn zu spielen, solle einfach einmal zu den Proben am Mittwoch oder Freitag ab 19 Uhr in die Feuerwache kommen. Für die Ausbildung am Instrument sorge der Spielmannszug. Willkommen, sei jeder mit Interesse und ein wenig musikalischem Talent. Das Alter sei dabei egal.

    Besonderer Dank ging an Sylvia Hagen, die frühere Feuerwehr-Mitarbeiterin im Ruhestand, die mithalf, den Dankesabend zu gestalten. Zu den Ehrengästen gehörten Vertreter der Feuerwehren der Partnerstädte Fontainebleau und Tabor. Unter anderem war Zdenek Dvorak, der frühere Kommandant der Taborer Wehr, gekommen. Er und der frühere Münster-Mesmer Konrad Schatz gehörten Ende der 70er- Jahre zu den Wegbereitern der Städtepartnerschaft über den damals existierenden Eisernen Vorhang hinweg.  

    Claudia Rindt

    Fotos: Christopher Kutschker

    Diesen Artikel teilen